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Image from page 932 of "The world's inhabitants; or, Mankind, animals, and plants; being a popular account of the races and nations of mankind, past and present, and the animals and plants inhabiting the great continents and principal islands" (1888)

Public Domain Mark Dieses Werk "Surf Swimming Hawaii" von George Thomas Bettany (1850-1891) unterliegt keinen bekannten urheberrechtlichen Beschränkungen.

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Surfen · Eine der ältesten Sportarten der Welt

Die Wurzeln des Wellenreitens verlieren sich ebenso im Dunkeln der Geschichte wie die der Polynesier, die als Erfinder des Wellenreitens bezeichnet werden können. Wahrscheinlich schon in vorchristlicher Zeit (zw. 750 und 500 v. Chr.) brachen die Polynesier auf aus ihrer Urheimat Hawaiki, das irgendwo in Indonesien vermutet wird, um das heutige Polynesien zu besiedeln. 

Kalaniopuu, King of Hawaii, bringing presents to Captain Cook. Shows a Hawaiian canoe with "crab-claw" and many oarsmen, carrying Kalaniopuu, the Hawaiian chief, to visit Captain Cook aboard the 'Resolution'. The main canoe, an outriger, is followed by two double-hulled canoes without sails, full of oarsmen, and one boat is carrying wrapped carved figures. The Hawaiian coastal hills can be seen in the right background.

Public Domain Mark Dieses Werk "Hawaiian Canoes 1784" von John Webber (1751–1793) unterliegt keinen bekannten urheberrechtlichen Beschränkungen.

Die Polynesier waren gastliche, fröhliche und offene Menschen des Meeres, die im Schwimmen, Tauchen und in der Seefahrt große Leistungen vollbrachten. Sie machten Expeditionen bis nach Südamerika und in die Antarktis. Sie führten ein sorglos anmutendes Leben in wunderschöner Landschaft, feierten viele Feste mit Musik, Tanz und Gesang und imponierten den europäischen Entdeckern durch ihre freien Liebessitten. Neben Klettern, Grasrodeln, diversen Kampf- und Laufspielen war vor allem Wassersport sehr beliebt. Schwimmen, Tauchen, Paddeln, Segeln, Wasserspiele und Klippenspringen waren sehr verbreitet.

Die Entwicklung des Wellenreitens begann wahrscheinlich mit dem Body-Surfen. Dabei wurden die Wellen ohne Hilfsmittel nur mit dem Körper abgeglitten. Anschließend wurden Binsenbündel, kleinere Baumstämme, hölzerne Planken oder Kanuspitzen benutzt, um dem Körper mehr Auftrieb zu geben. Später wurde auf größeren Brettern liegend, sitzend oder auf den Knien gesurft. In dieser Form war Wellenreiten in ganz Polynesien (und darüber hinaus) verbreitet. Vor allem auf Tahiti hat es sich zum Surfen im Stehen weiterentwickelt. Frauen und Männer aller Klassen und Altersstufen gingen hier aufs Meer, um zu surfen.

SUUF SWIMMING BY SANDWICH ISLANDERS

Public Domain Mark Dieses Werk "The uncivilized races of men in all countries of the world; being a comprehensive account of their manners and customs, and of their physical, social, mental, moral and religious characteristics" von John George Wood (1827-1889)) unterliegt keinen bekannten urheberrechtlichen Beschränkungen.

Im Zuge der Besiedlung Ost-Polynesiens von Tahiti aus kam Wellenreiten dann in dieser Form auf die Marquesas-Inseln, nach Neuseeland, Rapa, auf die Osterinsel und nach Hawaii. Auf Hawaii hat es sich schließlich am weitesten bis hin zur Schrägfahrt entwickelt. Die gesellschaftliche Bedeutung des Wellenreitens wurde u. a. daran deutlich, dass die Buchten mit den höchsten und besten Wellen für die Könige reserviert waren und für die restliche Bevölkerung mit einem Tabu belegt waren. Einmal im Jahr fand auf Hawaii das Makahiki-Fest statt. Die Arbeit wurde für 3 Monate unterbrochen, um Erholung, Sport, Tanz und Festmahle zu genießen. Eine besondere Bedeutung hatten dabei die Wellenreitwettkämpfe, zu denen Tausende von Zuschauern kamen. Wellenreiten war auf Hawaii Nationalsport.

Da Wellenreiten bereits vor der Besiedlung Hawaiis (im 10. Jahrhundert n. Chr.) existierte, ist davon auszugehen, dass es mindestens 1000 Jahre alt ist. Jedoch gibt es Hinweise auf ein wesentlich höheres Alter dieser faszinierenden Sportart. Auch in Mikronesien (z. B. Fiji-Inseln, Neuguinea) und Melanesien (z. B. Marshall-Inseln, Karolinen) wurden Wellen abgeritten, allerdings nur dort, wo es auch gesellschaftlich und kulturell einen großen polynesischen Einfluss gab. Da aber der Aufenthalt der Polynesier in diesen Gebieten in der Zeit vor Christus vermutet wird, ist anzunehmen, dass das Wellenreiten bereits aus vorchristlicher Zeit stammt.

Völkerwanderung der Polynesier ins heutige Polinesien

Entdeckung des Surfen durch James Cook

Als Polynesien von den ersten Europäern entdeckt wurde, war die Geschichte des Wellenreitens schon längst geschrieben – oder vielmehr gesungen. Die Polynesier, die zwar keine Schrift hatten aber über ein ausgeprägtes Geschichtsbewusstsein verfügten, gaben ihre Geschichte in Form von Liedern und Legenden weiter. Sie sangen von den ruhmreichen Taten der besten Surfer und Surferinnen und baten den Gott des Meeres, die kleinen Wellen zu behalten und doch lieber die großen zu schicken. Der Brite James Cook entdeckte im Jahr 1778 Hawaii, wo er Eingeborene beim Wellenreiten beobachtete. Seine Aufzeichnungen, die den ersten schriftlichen Bericht über Wellenreiten darstellen, lassen vermuten, dass Cook die Faszination dieser Sportart spürte.

Karakakooa Bay is situated on the West side of the island of Owhyhee, in a district called Akona. It is about a mile in depth, and bounded by two low points of land, at the distance of half a league, and bearing South South East and North North West from each other. On the North point, which is flat and barren, stands the village of Kowrowa; and in the bottom of the bay, near a grove of cocoa-nut trees, there is another village of a more considerable size, called Kakooa: between them runs a high rocky cliff, inaccessible from the sea shore. . . . The shore, all round the bay, is covered with a black coral rock, which makes the landing very dangerous in rough weather; except at the village of Kakooa, where there is a fine sandy beach, with a Morai, or burying-place, at one extremity, and a small well of fresh water, at the other. This bay appearing to Captain Cook a proper place to refit the ships, and lay in an additional supply of water and provisions, we moored on the North side, about a quarter of a mile from the shore. . .

Public Domain Mark Dieses Werk “A View of Karakakooa [today’s Kealakekua], Owhyee”, von John Webber (1751–1793) unterliegt keinen bekannten urheberrechtlichen Beschränkungen.

Surfen · Eine fast ausgestorbene Sportart

Spätere Expeditionen waren nicht so human und feinfühlig wie jene zur Zeit Cooks. Neben Walfängern und Missionaren waren es vor allem Kriegsschiffe aus Europa, welche die Kolonisierung der paradiesischen Inseln betrieben. Krankheiten, Alkohol- und Gewinnsucht verbreiteten sich. Die Anzahl der Hawaiianer nahm rapide ab. Waren es 1778 noch 300.000, so zählte man im Jahr 1900 einschließlich aller Mischlinge weniger als 40.000.

Als König Kamehameha I., dessen Surf-Leistungen noch lange nach seinem Tod besungen wurden, 1819 starb, wurden die bis dahin geltenden Tabu-Gesetze abgeschafft, wodurch der Boden für das Christentum bereitet und der Zusammenbruch der hawaiianischen Kultur eingeleitet war. In diesem Jahr fand auch das Makahiki-Fest zum letzten Mal statt. Die daraufhin eintreffenden Missionare ersetzten das heidnische Brauchtum durch strenge Kirchensitten. Auch das Surfen wurde als unnütze, heidnische und unsittliche (Männer und Frauen surften zusammen) Zeitverschwendung angesehen und 1823 kurzerhand verboten. Die wirtschaftliche Situation der Hawaiianer verschlechterte sich durch die Anbindung an den Welthandel. Die Einkünfte aus Walfang und Holzindustrie sanken und es waren hohe Steuern zu zahlen. Zum Surfen blieb keine Muße mehr. Die Könige, ehemals Trendleader, waren zu beschäftigt um zu surfen und die kulturelle Einbindung des Surfens ging verloren, so dass das Wellenreiten um 1829 von den meisten Plätzen Hawaiis und Polynesiens verschwand.

The lone Hawaiian surfer wearing the malo at Waikiki Beach carries one of the last Alaia surf board. The surfer was Charles Kauha. Frank Davey photographed Charles Kauha in 1898 in numerous poses, but none are of Kauha surfing.

Public Domain Mark Dieses Werk "Lone Alaia Board Surfer" von Frank Davey (1860-1922) unterliegt keinen bekannten urheberrechtlichen Beschränkungen.

Phoenix aus der Asche · Surfen zieht um die Welt

Mit der Gründung der ersten hawaiianischen Surfclubs wurde 1908 eine bis heute nicht endende Ära eingeleitet, in der sich das Wellenreiten wieder aufwärts entwickelte und sich, zunächst unter dem Einfluss von Georg Freeth und Duke Kahanamoku, über die ganze Welt verbreitete.

Die ersten Surfer in Europa waren wahrscheinlich französische Waldarbeiter, die um 1896 auf die Idee kamen von Segelschiffen verlorene Holzstämmen der Länge nach zu halbieren und damit die Wellen abzureiten, was einigen von ihnen wohl auch gelang.

Als erster "wahrer" Surfer Europas wird der weltreisende Architekt Adrien Durupt angesehen. Er brachte sich 1907 ein Surfboard aus Kalifornien mit um damit in der Nähe von La Baule-Escoublac im Departement Loire-Atlantique zu surfen.

1955 kam Peter Viertel, ein Drehbuchautor aus Hollywood, der mit der Filmschauspielerin Deborah Kerr verheiratet war, zu Dreharbeiten nach Biarritz. Er fand Gefallen an den Wellen, ließ sich ein Board aus Kalifornien kommen und versuchte sich im Wellenreiten. Mit ihm begannen die Franzosen Michel Barland, Georges Henebutte (der Erfinder der Leash) und Joel de Rosnay, die bald den ersten Surf-Club Frankreichs gründeten.

Surf Riding Waikiki

Die ersten deutschen Surfer

Auch die Geschichte des deutschen Wellenreitens begann Mitte der 50er Jahre. Damals bekamen die Sylter Rettungsschwimmer ihre sperrigen Rettungsbretter aus Massivholz, die ziemlich ungeeignet zum Wellenreiten warten. Das konnte Uwe Draht (Jahrgang 1927) jedoch nicht davon abhalten, seine ersten Surfversuche damit zu starten. Jens Körner (Jahrgang 1944), Falk Eitner (Jahrgang 1942), Gaston Surtmann (Jahrgang 1939), Dieter Behrens (Jahrgang 1939) und dessen Bruder Uwe Behrens schlossen sich Anfang der 60 Jahre seinem Tun an. In Biarritz kauften sie sich bald ihre ersten richtigen Wellenreitboards. Daß es ein spezielles Surf-Wax gab, welches das Abrutschen vom Board verhinderte, bekamen sie jedoch erst viel später mit. 1966 gründeten sie den Surf Club Sylt.

Der Deutsche Wellenreitverband

Erst 25 Jahre nach dem ersten deutschen Surfclub wurden weitere deutsche Wellenreit-Vereine gegründet, die schließlich 1991 in Köln den Deutschen Wellenreitverbandes (DWV) gründeten. Noch im selben Jahr nahm der DWV seine Arbeit zur Entwicklung eines sportwissenschaftlich fundiertes Konzepts für die Ausbildung von Wellenreit-InstruktorInnen auf. Im Sommer 1992 startete die erste Ausbildung von DWV-Wellenreit-LehrerInnen. Auch wurde erstmals an internationalen Wettkämpfen teilgenommen und eigene Contests wurden veranstaltet. 1996 fand die erste Deutsche Meisterschaft in Frankreich statt.

Pressekontakt
Martin Zawilla
Diplom-Sportwissenschaftler
Surf Instructor Level II des Deutschen Wellenreitverbands
+34 699 924 009
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Surfen an der grünen ungebrochenen Wellenwand · SURFSCHULE "surfnsoul.com"

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